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250 Jahre Beethoven

Eindrücke und Erfahrungen von Mitgliedern und Freund:innen des Centre franco-allemand de Rennes

"Ich bin kein Musiker, so kann ich Ihnen nur meine persönlichen Eindrücke mitteilen. Ich hörte Beethovens Musik zum ersten Mal als ich in der Schule war. Das war die Musiklektion, oft für die Schüler keine wichtige Stunde, während derer sie wenig Aufmerksamkeit zeigten. Aber an diesem Tag ließ uns der Lehrer Musik hören, die mir sofort auffiel. Die Stärke dieser Musik stimmte zu diesem Zeitpunkt, ohne Zweifel, mit meiner Seelenlaune überein. Ihre Harmonie erlaubte, mit geschlossenen Augen zu träumen. Dann wollte ich mehr über diesen Autor erfahren. Der Mensch selbst hat mich interessiert: seine Persönlichkeit, sein Leben, und die Zeit, während der er lebte, schienen seine Musik zu illustrieren. Mehr als ein halbes Jahrhundert später bin ich erstaunt, dass diese Eindrücke der Jugend fortdauern. Ohne Zweifel ist es der gemeinsame Character seiner Musik. Unsere heutigen Fragen sind noch dieselben wie die aus der Zeit Beethovens: die Schönheit der Natur, der Wille des Menschen vor seinem Geschick, die Untersuchung der gemeinsamen Werte wie Freude, Friede, Brüderlichkeit und Freiheit. Wenn Beethoven zu uns käme, wäre er noch jung und vielleicht wäre er überrascht, dass seine Musik die Herzen der Menschen nicht ganz verändert hat." (Georges)

"Eine der ersten Begegnungen, die ich mit Beethoven hatte, war mit Stanley Kubricks A Clockwork Orange. Der Soundtrack enthält viel klassische Musik: Rossini, Elgar und Beethoven, gespielt von Walter Carlos auf dem Synthesizer. Jetzt höre ich Beethoven in klassischeren Interpretationen. Meine Lieblingsstücke sind die Diabelli-Variationen, die Bagatellen für Klavier und die Sinfonien Nr. 7 und Nr. 8." (Jean-Dominique)

"Wenn ich an Beethoven denke, kommen zuerst die Erinnerungen an meinen Vater, der mir alle Symphonien auf Schallplatten geschenkt hat, als ich ein junges Mädchen war. In meiner Wohnung hängt noch an der Wand eine Bleistiftzeichnung von Beethoven. Seine Augen sind zu, seine rechte Hand liegt auf seiner Stirn. Das Bild war immer bei meinen Eltern.
Ich habe diese Symphonien seit langer Zeit nicht mehr richtig angehört. Jetzt tue ich es und erkenne sie sofort. Es bereitet mir viel Vergnügen. Ja, diese leidenschaftliche Musik passt zu jedem Alter. Ich erinnere mich auch plötzlich an einen Spaß als Jugendliche: wir sangen mit der Melodie der 5. Symphonie : "la pince à linge" - die Wäscheklammer. Woher kommt das ? Ich habe die Antwort im Internet gesucht. Es stammt von den „Les 4 Barbus“, früher berühmte Kabaretthumoristen. Man kann ihnen hier zuhören: https://www.youtube.com/watch?v=WDIyJM902l0 Gibt es etwas Ähnliches in Deutschland? Oder würde es als Lästerung empfunden werden?" (Sophie)

""Durch Leiden zu Freude" (Titel des Gemäldes von Emil Ellinger)
Ludwig van Beethoven hat einmal in einem Brief folgende Zeilen geschrieben: 
"Wir endlichen mit unendlichem Geist sind zu Leiden und Freude geboren, und beinahe könnte man sagen, die Ausgezeichneten erhalten durch Leiden Freude."   Dies, so finde ich, beschreibt und bezeichnet das Werk Beethovens, welches die menschlichen Gefühle und Seelenzustände ausdrücken und bewegen konnte (und kann).  
Le 2. mouvement de la 7. Symphonie, l'ode à la joie de la 9. (ici surtout les paroles de F. Schiller) et la lettre à Elise me touchent particulièrement."  (Rafaela)

"Solange ich denken kann, ist Beethovens Musik Bestandteil meines Lebens. Als Deutsche, die aus einer Familie stammt, in der klassische Musik gehört und zum Teil auch gespielt wird, ist das wahrscheinlich wenig erstaunlich. Dabei habe ich Beethoven nie als besonders „deutsch“ wahrgenommen. Er war ein Genie, auch ein wenig wahnsinnig (als Kind hatte ich Angst vor seinem grimmigen Blick) aber vor allem ein Mensch, dessen Musik der ganzen Welt gehört, da Menschen auf der ganzen Welt seine Musik hören und interpretieren. Und das ist auch der Grund, warum ich mich dank Beethoven in der ganzen Welt ein wenig mehr zuhause fühle. Er ist einer unserer wichtigsten und größten Diplomaten. Ein Botschafter für eine kraftvolle, friedliche und bunte Welt voller Musik. Dafür danke ich ihm." (Sabine)

"Als Musikerin der klassischen Musik - und besonders als Klavierspielerin - bin ich natürlich früh in meinem Leben mit Beethoven in Kontakt getreten.
Tatsächlich hat die Klaviermusik innerhalb seines riesigen Werkes einen sehr wichtigen Platz (der Komponist war ein sehr guter Klavierspieler und Improvisator) und gehört zum Pflichtprogramm für die jungen (und weniger jungen) Studenten, die Fortschritte machen wollen.
Die 32 Sonaten für Klavier von Beethoven sind ein Monument der klassischen Musik; sie decken mehrere Perioden im Leben des Musikers ab; man sagt manchmal (ein bisschen pompös), dass diese Sonaten das “Neue Testament” für die Musik bedeuteten, das Alte Testament hingegen sei das Wohltemperierte Klavier von J.S. Bach gewesen.
Als Beethoven die letzten Sonaten komponierte, war er taub und man kann sich vorstellen, dass er schon in einer anderen Welt war. Er war ein Visionär und war sicher, dass seine Musik für die Welt der Zukunft bedeutsam sein würde. Was man zu seiner Zeit nicht verstehen konnte, würde später verstanden werden.
Was mich an Beethoven als Mensch berührt, ist die Tiefe seiner Gefühle; seine Absicht ist niemals oberflächlich genauso wie die Aufrichtigkeit, mit der er sich hingegeben hat (zum Beispiel in der “Mondlicht Sonate”).
Mit der Stärke seines Temperaments hat er es geschafft, die klassischen Codes zu brechen, um einen neuen Weg zu beschreiten und die Zeit der Romantik anzukündigen.
Im September 2020 werde ich das Glück haben, eine Sonate von Beethoven im Rahmen eines Konzerts in Lyon zu spielen. Die Sonate, die ich gewählt habe, heißt “der Sturm”.
Nach einer komplizierten Zeit mit dem Corona-Virus erlaubt mir dieses Werk Beethovens, neue Emotionen zu entdecken: ich finde neue Farben in der Musik, gerate beim Spielen in einen anregenden Rhythmus, und, das finde ich besonders wunderbar, durch die Interpretation des Werkes kann ich versuchen, etwas von meiner eigenen Menschlichkeit auszudrücken." (Coralie)

"Das Beethoven-Jahr
Wann wird Beethoven in Rennes das erste Mal gespielt?
Rennes ist nicht Leipzig! Im Jahr 1720 brannte Rennes, die Stadt lag in Schutt und Asche, das Herz der Stadt war zerstört; zeitgleich bauten die Bürger der Stadt Leipzig das Gewandhaus; zum Glück entschied Ludwig XIV. den Wiederaufbau der Stadt Rennes (des Parlamentssitzes der Bretagne), aber es gab keinen Konzertsaal!
In Frankreich entstanden die ersten Stellen für Konzerte und Theater, die für alle Bürger zugänglich waren, nach der Revolution von 1830; auch in Rennes kann man in den Jahren 1830/31 zum ersten Mal Beethoven hören.
Ich habe Beethoven entdeckt, als ich Klavier spielen lernte; ich war 8 Jahre alt und wollte sogleich die Umgebung und die Epoche des Musikers kennen lernen. Das erste Mal, als ich die « Symphonie Pastorale » angehört habe, war ich berührt: das Gemüt der Natur und die Lustigkeit der Werke. Später, im Gymnasium, habe ich auch die « Ode an die Freude » entdeckt und gesungen, als ich die deutsche Sprache zu lernen begann (da war ich 10 Jahre alt)." (Louise)